Rhein-Weser-Germanen im 1. Jahrhundert vor Christus
Rhein-Weser-Germanen im 1. Jahrhundert vor Christus

Eisenzeitliche Küche der Kelten und Germanen

 

 

Das Essen aller Völker war vor 2000 Jahren grundsätzlich relativ eintönig und stark jahreszeitabhängig. Römische Luxusküche eines Apicius oder Lucullus wie sie heute noch in Kochsendungen oder „römischen“ und „keltischen“ Kochbüchern zu finden ist, war absolut untypisches Essen der Superreichen, wenn es diese Mahlzeiten so überhaupt gegeben hat.

 

Feste Mahlzeiten wie heute gab es vermutlich nicht. Von den Römern weiß man, dass die eine Mahlzeit am Tag vermutlich am frühen Nachmittag, unserer heutigen Kaffeezeit entsprechend, eingenommen wurde. Kelten und Germanen hielten es wahrscheinlich ähnlich, da dies gut in den bäuerlichen Tagesablauf passt.

 

Hauptbestandteil der Mahlzeit war Getreide. Je nach Region wurden in unterschiedlicher Menge Emmer, Einkorn, Dinkel, andere Weizenarten, Gerste und Hirse angebaut und verwendet. Roggen und Hafer waren um das Jahr Null vermutlich nur Unkraut auf den Feldern und wurden noch nicht gezielt angebaut.

Dazu kamen die Hülsenfrüchte Linsen, Erbsen und Ackerbohnen.

 

Die daraus in geschroteter (grob gemahlener) oder ganzkörniger Form hergestellten Eintöpfe wurden dann je nach Region und Jahreszeit mit Kräutern, Wildobst oder Wildgemüse angereichert.

 

Fleisch und Fisch konnte wissenschaftlich ebenfalls häufig festgestellt werden. So wurde neben Rindern, Schweinen, Schafen, Ziegen und Fisch auch Hunde als Nahrung nachgewiesen, wobei Geflügelfleisch fast ausschließlich im römischen Kulturkreis fassbar ist (Hühner kamen aus Asien erst mit den Römern nach Mitteleuropa, aber auch lokales Geflügel wie Gänse wurde nicht gegessen). Wild kam vergleichsweise selten auf den Tisch. Gewürzt wurde sparsam mit Salz oder mit scharfen Saaten wie z.B. dem Leindotter (senfartig), der nicht nur der Ölgewinnung diente.

 

Noch heute gibt es in Österreich ein ähnliches Gericht: den Ritschert.

 

Gekocht wurde überwiegend in Tontöpfen, da Metall selten und teuer war, wobei es bei den Römern häufiger metallenen Kochgeräte gab als bei den Kelten oder noch seltener bei den Germanen. Neben dem Kochen am offenen Feuer wurden auch gerne Gargruben mit heißen Steinen als „Herd“ genutzt, in denen das Kochgut durch die indirekte Hitze der Steine gegart wurde. Dies schonte die empfindliche Kochkeramik.

 

Backwaren: Insbesondere die Römer bucken viel und regelmäßig. Auch im keltischen und germanischen Kulturkreis werden häufig Backöfen archäologisch befundet. Was dort allerdings gebacken wurde und zu welchem Anlass ist schwierig zu beantworten. Gefunden wurden unter anderem der Keltenkringel (süß, zu je 50% aus Mehl und Honig bestehend, heute noch das Grundrezept der Aachener Printen !) sowie ein Brot, etwa 15cm im Durchmesser und ca. 4 cm hoch, aus feinem Dinkelmehl (Bad Nauheim). Dabei wurde der Teig durch natürliche Gärung zum Treiben gebracht. Hefen waren noch unentdeckt, die gezielte Hinzugabe kann man ausschließen.  Eventuell wurde aber gezielt Pottasche oder Hirschhornsalz verwendet.

 

Das Ipweger - Moor - Brot besteht zu 80% aus Bienenwachs und im Rest aus grobem Schrot eines Gersten-Hirse-Mixes. Vermutlich war es eine Brotimitation für eine Opfergabe im Moor. An ihm läßt sich daher nur Form und Größe eines eisenzeitlichen Brotes ablesen.

 

Getrunken wurde vermutlich in der Hauptsache Wasser. Warme Getränke waren grundsätzlich unbekannt, inwieweit aus medizinischen Gründen eventuell Kräuter auch warm aufgegossen wurden, ist nicht bekannt. Daneben wurde auch eine Art Bier, Wein und Met getrunken, sicherlich aber viel seltener und auch nicht von jedermann. Auch sind keine fundierten Aussagen über eventuell religiöse Hintergründe einzelner Essgewohnheiten oder aufgefundener Speisen möglich. (Beispiele: Keltenkringel: Luxusgut? Opfergebäck? Geflügel: Tabuisiert wie in einigen Religionen heute das Schwein?)

 

Grundsätzlich war das Essen schmack- und nahrhaft.

Allerdings gab es dies jeden Tag, unterschieden nur durch die Beimischungen nach Jahreszeit, für uns unfassbar eintönig. Außerdem gab es besonders in den Wintermonaten Januar-März regelmäßige Hungerperioden. Kein Zuckerschlecken seine Familie damals zu ernähren.



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© Joachim Werthmann