Rhein-Weser-Germanen im 1. Jahrhundert vor Christus
Rhein-Weser-Germanen im 1. Jahrhundert vor Christus

Bevor ich in Details gehe, wieder ein kleiner Überblick:

 

Grundsätzlich trug Mann Hosen und Kittel. Dazu eine Wolldecke als Mantel, gerne noch einen Umhang aus Fell bei Kälte und Regen. Dazu an den Unterschenkeln und Füßen gamaschenartige Beinstulpen oder Fuß-Wadenwickel und ein Paar Bundschuhe. Gehalten wurden die Hosen durch Ledergürtel oder geflochtene Bänder aus Pflanzenfasern oder Wolle. Solche Bänder hielten auch die Wadengamaschen zusammen. Die Decke als Mantel wurde mit Hilfe eines Dorns oder einer Fibel über einer Schulter geschlossen. Die Fellumhänge hatten Verschnürungen oder Lederknebel  als Verschlüsse.

 

Nicht im Befund nachweisbar sind Unterwäsche, Socken und Holzschuhe.

 



Hosen:

 

Die als Hosen identifizieten Moorfunde bestätigen den römischen Barbaren-Topos insofern, als das alle Hosen grundsätzlich weitgeschnittene Rumpfpartien und eng geschnittene Beine aufweisen.

 

Dem Hobbygermanen stehen dabei vorallem die Hose aus dem Moor bei Marx-Etzel, die Hose aus dem Damendorfer Moor und die beiden Thorsberger Hosen zur Auswahl. Einschränkend muß vorweg geschickt werden, das alle Hosen jünger als meine Darstellungszeit sind (1., 2. und 3. Jh. n. Chr.) und somit auch starken römischen Einfluss zeigen könnten.

Vorallem die nur aus einem Stoffstück gefertigte Marx-Etzel-Buchse ähnelt stark den kurzen römischen Reiterhosen.

Aber, da "Nackt" von den meisten Veranstaltern nicht gerne gesehen wird, muß man sich entscheiden.

 

Marx-Etzel:

Das rechteckige Stoffstück, geschickt durch zwei Schnitte vom unteren Rand bis in die Mitte geformt, ergibt eine Hose mit engen, kurzen Beinröhren und einem voluminösen Rumpfteil.

Vorteilhaft bei der Herstellung ist das einfache Stoffstück und die schnelle Fertigstellung.

Nachteil dieser Hose aus heutiger Sicht sind vorallem der "Windelpo", die unbequeme Stofffülle oben herum und die empfindliche Schrittnaht.

Wobei Reparaturstellen am Fundstück beweisen, das der Schritt auch schon vor 2000 Jahren die Achillesferse dieser Hose war.

Jedenfalls erforderte meine Marx-Etzel-Hose beinahe tägliches Flicken des Schritts.

 

Thorsberg FS 3684 und Dahmendorf-Hose:

 

Bei beiden Hosen besteht der Rumpfteil aus mehreren, kleineren Stoffstücken, die engen Beinröhren sind auf Höhe der Wade offen und Thorsberg hatte noch angenähte Füßlinge und Gürtelschlaufen. Die Wollbänder an der Wade waren wohl nur Verzierung (s. auch Bemerkung zur Tunika).

 

Die Herstellung der Thorsberghose  ist für Ungeübte anspruchsvoll. Dafür erhält man eine Hose, die nach heutigem Trageverständnis bequem und robust ist. Im Schadenfall kann man durch den Austausch von oft nur einem Teil die Hose wieder als Neu auf die Beine stellen.

 

Thorsberg FS 3685:

 

Die kleine Schwester. Schlechter erhalten und wohl auch mit Füßlingen ausgestattet, läßt sie sich deutlich einfacher herstellen, da sie nur aus zwei Beinröhren incl. vorderem Rumpf und einem quadratischen Hosenboden besteht.

 

 

 

 

Kittel/Tunika:

 

Auch hier stimmen römische Darstellung und archäologischer Befund soweit überein, das man auch römische Abbildungen als realistische Quelle heranziehen kann (z.B. die Trajanssäule).

 

Die Kittel/Tuniken bestanden demnach aus einem geraden Rumpf (Schulterbreite), der bis etwa auf die Mitte des Oberschenkels reichte. Der Kopfschlitz wurde "vorne" etwas stärker umgenäht, um mehr Tragekomfort zu erzielen. An den Seiten wurden die Stoffbahnen zusammengenäht. Ob am unteren Ende jeweils ein kurzer Schlitz verblieb ist umstritten.

Die Ärmel waren wie die Hosenbeine eng geschnitten und nach neuesten Untersuchungen des Thorsberger Kittels (s. Möller-Wiering) auf der Unterseite zusammengenäht. Hier blieb die Naht am  Handgelenk etwa 5cm offen.

 

Verziert wurden die Kittel durch Bänder an der Seitennaht(Thorsberg) und/oder Brettchenborten an Ärmeln, Kopfschlitz und unterer Rumpfkante.

 

Nach römischen Darstellungen gab es auch Kittel ohne oder nur mit kurzem Ärmel. Zum Teil tragen die Dargestellten mehrere Kittel mit unterschiedlichen Armlängen übereinander.

 

Noch eine kurze Bemerkung zur Thorsberg-Tunika:

 

Lt. Möller-Wiering (s. ebenda) war diese an den Seiten wie oben beschrieben zusammengenäht. Die ursprünglich als Verschnürung angesprochenen wohl blauen Bänder stellten vermutlich nur eine Verzierung dar, die den Träger aus einem unbekannten Grund hervorheben sollte.

 

 

Mantel:

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© Joachim Werthmann