Rhein-Weser-Germanen im 1. Jahrhundert vor Christus
Rhein-Weser-Germanen im 1. Jahrhundert vor Christus

Die Frauenkleidung der Eisenzeit stellt sich im Befund sehr variantenreich dar.

Zentrales Kleidungsstück ist meist ein langärmeliges bodenlanges Unterkleid. Insbesondere im Norden werden aber auch Röcke und Blusen nachgewiesen, während Richtung Süden auch der Peblos, ein Schlauchkleid oder der Chiton, ein aus zwei Stoffbahnen bestehender, mal weiter, mal enger, u.U. mit mehreren Bäuschen getragenen Stoffschlauch mit Kopf- und Armlöchern versehen, in Mode ist.

Dazu werden wie bei den Männern Tuniken und Umhänge aller Art (Cucullus, Chlamys, Palla oder die charakteristischen Fellumhänge) getragen.

Ob Kopfbedeckungen zwingend waren, ist unklar.

Zwar zeigen z. B. die Matronen-Weihesteine immer auch Frauen mit Hauben, weibliche Moorleichen weisen hingegen relativ selten Kopfbedeckungen auf. Einerseits könnten die Kopfbedeckungen auf römischen Einfluß zurückgehen, andererseits sich eventuell ausschließlich aus pflanzlichen Materialien gefertigte Hauben etc. im Moor nicht erhalten haben.

Schmückendes wie Haarnetze und -bänder wurden verwendet.

Mein Fazit daraus ist: Kopfbedeckung ist nicht falsch, muß aber, je weiter man geographisch nach Norden geht und zeitlich von den Römern weg, auch nicht zwingend sein.

 

Abbildung: Leinene Untertunika, Wollchiton, Tollund-Gürtel, Fibelgehänge nach Funden LWL-Museum d. Archäologie, Herne: Zwei Nauheimer + Augenfibel datieren Ensemble auf Anfang bis Mitte 1.Jh. n. Chr.

 

Einige weibliche Trachten 

Ich habe folgende Quellen verwendet:

 

Carroll, Maureen: Ethnische Tracht und römische Kleidung am Niederrhein ;

Dieselbe              : Götter, Sterbliche und ethnische Identität am Niederrhein;

John Peter Wild  : Die Frauentracht der Ubier;

Martin-Kilcher      : Schmuck und Tracht zur Römerzeit

Gleba/Mannering:   Textiles an textile Production in Europe

 

Den Aufsatz von Giesler, der an dieser Stelle gerne verwendet wird, ist zwar sehr schön klar und eindeutig, aber genau das sollte Zweifel wecken. Zudem war der Mann m. W. Zinnfigurensammler und -hersteller und kein Wissenschaftler. Daher beziehe ich mich nicht mehr auf ihn.

 

Die Tracht der Nehalennia

 

Die Darstellung der einheimischen Göttin Nehalennia beruht auf Weihesteinen aus der niederländischen Provinz Zeeland aus dem 1. Jh. n. Chr und später.

Die dort verorteten Bataver wanderten allerdings erst Mitte des 1. Jh. v. Chr. aus dem Nordhessischen (Chatten) an die Rheinmündung und verdrängten die dort lebenden Menapier nach Süden (Funde menapischer Fibeln erst in Zeeland, dann in der Voreifel). Wo die Ursprünge dieser Tracht liegen, ist daher unklar.

Als Untergewand kann eine knöchellange Tunika angenommen werden. Dem germanischen Stil folgend, waren die Arme vermutlich eher enger, der Rumpfteil eher weiter geschnitten. Ev. Schlitze für komfortablere Schrittweiten sind spekulativ.

Darüber wurde wohl eine wadenlange, kurzärmelige Tunika getragen, die auf der Brust mit einer Fibel geschlossen sein kann.

Abgeschlossen wird die Tracht durch ein kurzes Cape, welches die Schultern und Oberarme bedeckt und auch vor der Brust gefibelt zu sein scheint. Dieses Cape könnte den so häufig gefundenen Ledercapes entsprechen.

Anzeichen für einen Gürtel finden sich nicht. Anstelle der Obertunika oder auch zusätzlich, kann ein vor der Brust gefibelter Rundmantel getragen werden.

Nehalennia wird entweder barhäuptig oder mit einer kleinen Rundhaube dargestellt. Außer den Fibeln findet sich kein weiterer Schmuck in den Abbildungen.

 

Charakteristisch ist die lange Untertunika, das kurze Schultercape und die kleine Rundhaube.

 

Die Tracht der Ubierinnen

 

Nach dem Eburonenaufstand der Jahre 56/57 v. Chr.  und die unnatürliche Grenzziehung der Römer entlang des Rheins, erfolgte  ein Rückzug der lokalen Stämme nach Westen hinter die Maas oder nach Osten hinter den Rhein.  Die Römer  siedelten die aus dem Lahngebiet stammenden romfreundlichen Ubier als neue, der Grenzsicherung verpflichtete, Bevölkerung an.

Deren weibliche Tracht zeigen die Matronen, ubische Göttinnen.

Auch die Ubierinnen trugen ein langärmeliges, knöchellanges Gewand als Unterkleid, auf der Brust gefibelt. Darüber wurde ein bodenlanger, ebenfalls auf der Brust oder in Bauchhöhe gefibelter Mantel getragen. Der Kopf wird von einer hohen Rundhaube bedeckt, wobei angenommen wird dass dies Verheiratete kennzeichnet. Unverheiratete scheinen barhäuptig geblieben zu sein.

Auch möglich scheint eine ergänzende Obertunika zu sein, die bis unter das Knie reichte. Anstelle des Rechteckmantels kann auch ein Rundmantel angenommen werden. Als Schmuck werden Lunula -Anhänger oder Torques neben den Fibeln gezeigt. Ein Gürtel scheint wahrscheinlich.

 

Charakteristisch ist der bodenlange, gefibelte Mantel und die hohe Rundhaube.

 

Weiter auf dem Weg nach Süden findet sich die ebenfalls als einheimisch-germanisch angesprochene Tracht der Menimane, einer Reedersgattin aus dem Raum Mainz, dargestellt auf ihrem Grabstein.

 

Die treverisch/mediomatrikische Tracht

 

Auch für Menimane wird ein langärmeliges knöchellanges Untergewand angenommen. Darüber trägt sie den mit zwei Schulterfibeln verschlossenen Peblos. Dieses Schlauchkleid ist so weit geschnitten, das durch die Fibeln zwei Träger entstehen und der Peblos  noch mit einer dritten Fibel auf der Brust am Unterkleid fixiert werden muss. Ohne Unterkleid ergäbe sich hier das erste Mal das Bild, das Tacitus von der weiblichen germanischen Tracht zeichnet (Schultern und oberer Teil der Brust frei). Zusätzlich ist der Peblos gegürtet.

Über allem trägt sie einen auf der rechten Schulter gefibelten Mantel. Die Zopffrisur ist von einem Haarnetz bedeckt.

 

Der reiche Fibelschmuck und der Peblos sind die zentralen Charakteristika dieser Tracht.

 

Nachdem ich jetzt einmal den Rhein von der Mündung bis zum Mittelhreintal herunter gegangen bin, möchte ich mich jetzt noch den bekannten nordgermanischen Trachten zuwenden.

 

Die Huldremose-Tracht

 

Die Frau von Huldremose (Datierung  192-61 v. Chr.) trug einen von über der Hüfte bis zu den Knöcheln reichenden Rock. Die aufwendige Naht wurde vorne getragen. Gehalten wurde der Rock durch ein Lederband im oberen Saum, das mit Knoten an jedem Ende vor dem Bauch getragen, den Rock raffte.

Der Wollrock war rot/rötlich gefärbt und in einem Karomuster gewebt. Dazu trug die Dame einen karierten, blaugefärbten Schal um die Schultern und zwei aufwendige Fellumhänge. Der äußere, Fell nach außen getragen, asymetrisch geschnitten (die linke Hand blieb frei), aus Schaffell gefertigt, schützte vor Regen. Der innere, ähnlich asymetrische geschnitten, allerdings etwas kleiner, aus Lammfell gefertigt, wurde mit dem Fell nach innen als Kälteschutz getragen. Beide Umhänge waren aufwendig aus mehreren Fellen gekürschnert.

Der Abruck eines leinwandbindigen Gewebes auf einer Hüfte der Moorleiche läßt den Schluß zu, das sie zusätzlich ein vermutlich leinenes und daher jetzt vergangenes Untergewand/Bluse getragen hat.

Schuhe wurden keine gefunden. Als Schmuck wurde ein Lederband mit einer Bernsteinperle angesprochen.

 

Neben der Frau von Huldremose wurde in diesem Moor ein als Huldremose II (180-50 v. Chr.) bezeichnetes große Rundgewebe von 256cm Umfang und 173 cm Höhe gefunden. Obwohl immer wieder als Peblos angesprochen, sehen Gleba/Mannering keinerlei Anhaltspunkte dafür. Ob weibliche oder männliche Tracht und über die Trageweise liefert das Stück keine Hinweise.

 

Rock, Bluse und Umhang als ur-germanische Tracht ohne keltisch/römischen Einfluss.

 

Das Mädchen von Hammerum

 

Dieser Moorfund eines etwa 16 Jahre alten Mädchens datiert in das 1.Jh. n. Chr. (1-130 AD).

Bei ihr wurde ein knielanger rot-weiß gestreifter Peblos und ein breiter weißer Schal gefunden.

Alle Fundumstände deuten auf einen adeligen Wohnsitz hin, an dem „römisches“ Leben kopiert wurde.

 

Typisch römisch: Peblos und Umhang.

 

 

FAZIT:

 

Wer es mehr einheimisch liebt, sollte beim Gebrauch des gefibelten Peblos zurückhaltend sein und lieber Tuniken tragen.

Wer römischen Einfluss dagegen zeigen kann, der kann auch zu Peblos oder Chiton greifen.

Röcke sind dank Kimbern- und Teutonenzug auch im Rheinland möglich.

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© Joachim Werthmann