Rhein-Weser-Germanen im 1. Jahrhundert vor Christus
Rhein-Weser-Germanen im 1. Jahrhundert vor Christus

Bürsten, Kämme, Karden, Hecheln ?

Immer wieder werden in eisenzeitlichen Fundstätten schmale, zumeist aus Eiche gefertigte Bretter gefunden, die mit gleichmäßigen Reihen von spitzen Astenden der Schlehe versehen sind. Machart und Form sind i.d.R. sehr ähnlich: Eingezogenen Längsseiten, gerade Kopfseiten, gleichmäßige Lochreihen mit Löchern zw. 5 und 6 mm Durchmesser, Besteckung aus drei bis vier Astenden, ohne Kleber befestigt. Z.T. mitt flachen Wulsten an den Kopfseiten auf der "Dornenseite". Oft ohne, aber manchmal auch mit Stiel.

Diese werden in der Literatur als Karden oder Hecheln zum Auskämmen der Wolle oder der Flachsfasern bezeichnet. Für die Porz-Linder Exemplare glaubt der Ausgräber jedoch, das sie vermutlich zum Aufrauhen, Verstriegeln und Verfilzen von Wollgewebe verwendet wurden (s. Joachim, Porz-Lind, Seite 25ff und Tafeln 40,41 u. 92).

 

Was wirklich geht, werde ich bei Gelegenheit ausprobieren.

Mein Grundbrettchen ist aus Weide (Schnitzbankrest). Diesen habe ich mit Dechsel, Ziehmesser und Sandstein in die gewünschte Form gebracht. Dabei habe ich mich für die Version mit Stiel und weniger stark eingezogenen Längsseiten entschieden.

Das Brettchen ist etwa 1,5cm stark. Der Stiel ist etwas stärker, damit er besser in der Hand liegt. Die Breite liegt bei etwa 9 cm, in der Mitte um ca. 1 cm einziehend. Die Länge ohne Stiel beträgt ca 22 cm. Ausgehend von den Originalen habe ich 16 Reihen zu 7 Löchern mit einem 5mm Löffelbohrer eingebracht und dabei oben und unten einen Rand von 2 cm, an den Längsseiten von 1 cm gelassen.

 

Anschließend habe ich im lokalen Waldrand, wo unsere Stadtverwaltung freundlicherweise seit Jahren wie entfesselt Wildobst nachpflanzt, einige Schlehen geplündert. Um die benötigten etwa 380 Astenden zusammenzubekommen, habe ich die Jagd auf so viele Büsche wie möglich verteilt, um den Flurschaden gering zu halten.

Immer zu dritt, ofth einen vierten nachlegend, habe ich die "Dornen" dann mit einem Klüpfel vorsichtig ohne Klebung in die Löcher gedrückt.

 

Ehrlich: Sieht wie ein Folterinstrument aus und fühlt sich auch so an, wenn man es unvorsichtig handhabt.

 

Praktische Anwendung (zusammen mit Meirah):

Wenn man versucht die recht feinen germanischen Wollstoffe (Fadenstärke zw. 0,8 und 1,2 mm) mit diesem Ding aufzurauhen, ruiniert man die Stücke gnadenlos. Die Dornen ziehen sofort Fäden. Also eine eher unwahrscheinliche Anwendung.

 

Wolle auskämmen und ausrichten um anschließend damit spinnen zu können, funktioniert nur mit bereits gut gereinigter und vorbereiteter Wolle in kleinen Mengen und erscheint daher auch eher unwahrscheinlich.

 

Beim Hecheln von Flachs zeigen die Dinger was sie können. Das funktioniert gut.

 

Unser Fazit: Flachs !!

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© Joachim Werthmann