Rhein-Weser-Germanen im 1. Jahrhundert vor Christus
Rhein-Weser-Germanen im 1. Jahrhundert vor Christus

Kelten und Germanen

 

Etwa 500 v.Chr. beschreibt der griechische Geschichtsschreiber Hekataios erstmals die im mittel- u. westeuropäischen Kulturraum ansässige Bevölkerung als das einheitliche Volk der Kelten. Östlich von ihm vermuteten die Griechen das Volk der Skythen. Erst 80 v.Chr. verwendet wiederum ein griechischer Geschichtsschreiber erstmals den Begriff „Germanen“ für einen östlich des Rheins lebenden Volksstamm. Wirklich verbreitet und manifestiert hat jedoch erst Julius Cäsar in seinem „De Bello Gallico“ den Begriff „Germanen“ im Jahr 51 v. Chr.

 

Zwar stellt Cäsar auch auf kulturelle und mentale Unterschiede zu den Kelten ab, aber wie fast die gesamte antike Geschichtsschreibung, dient auch „Der Gallische Krieg“ eigentlich aktuellen innenpolitischen Entwicklungen in Rom. Dabei benutzt Cäsar den Germanen-Begriff, um zwischen Barbaren, die Rom (also er) erobern will (Kelten) und denen, die Rom nicht erobern will (Germanen) zu unterscheiden. So rechtfertigt er seine Festlegung des Rheins als Grenze seiner Feldzüge.

 

Tatsächlich besitzen Germanen und Kelten viele Gemeinsamkeiten. Die Übergänge zwischen ihnen waren fließend, begründet in der räumlichen und zeitlichen Nähe der beiden Völker. Dabei weist die Archäologie weniger auf eine Trennlinie entlang des Rheins von Nord nach Süd, als mehr auf eine Linie von Nordwest (heutiges Flandern) nach Südost (Böhmen), was z.B. die bei Cäsar hervorgehobenen Unterschiede der „Belger“ zu den anderen Kelten erklärlich macht.

 

Zunächst waren die Kelten in ihrer Entwicklung den Germanen etwa 500 Jahre voraus. Sie besaßen bereits seit dem 2.Jh. v.Chr. ein Münzsystem, angelehnt an das Römische. Ihre Stammesstruktur war hierarchischer als das „one man, one vote“-System der Germanen. Handwerklich waren sie den Nachbar im Nordosten deutlich überlegen z.B. in der Schmiedekunst und der Töpferei (intensiver Gebrauch der Drehscheibe). Erklärbar sind diese Unterschiede aus den Kontakten der Kelten zu den Römern und Griechen über das Mittelmeer, während dieser Einfluss kaum über Rhein und Donau hinweg spürbar war.

Zwei dominierende Kulturperioden kennzeichnen die Kelten: Die Hallstatt-Kultur von etwa 800 v.Chr. bis etwa 450 v.Chr., gefolgt von der La-Téne-Kultur bis zur Eroberung des keltischen Siedlungsraums durch die Römer ab 58 v.Chr.

 

Der früheste fassbare eigenständige germanische Kulturkreis ist der der Jasdorf-Kultur, die seit etwa 500 v.Chr. im heutigen Nordostdeutschland Verbreitung fand. Von dort breitete sich der germanische Kulturbereich, eng beeinflußt von der keltischen Kultur, ab dem 2.Jh. v.Chr. im gesamten Raum zwischen Rhein und Weichsel, Südskandinavien und Donau aus[1].

 

Als Rhein-Weser-Germanen bezeichnet man germanische Stämme, deren Siedlungsgebiet sich in der römischen Kaiserzeit zwischen den Flüssen Weser und dem mittleren Rhein erstreckte. Der Begriff geht dabei auf eine Arbeit des Germanisten und Sprachwissenschaftlers Friedrich Maurer aus den Jahren 1942/52 zurück. Er setzt die fünf archäologischen Fundgruppen mit fünf germanischen Sprach-bzw. Dialekträumen gleich. Dies ist jedoch umstritten, weshalb der Begriff z.T. nur als archäologischer und nicht auch als linguistischer Terminus akzeptiert wird. Grundsätzlich basiert der Begriff Rhein-Weser-Germanen auf archäologischen Funden des 1. - 4. Jahrhunderts n. Chr. Aus dem Abgleich dieser Funde mit antiken römischen Quellen lassen sich folgende Stämme identifizieren und verorten: Cherusker, Chatten, Usipeter, Tenkterer, Sugambrer, Brukterer, Chattuarier, Chamaver und Ampsivarier. Man setzt sie auch den Istväonen bei Plinius dem Älteren und Tacitus gleich. Damit stellen sie die Gruppe der Germanen, aus denen später die Franken entstehen.Die ihnen zugeordneten Funde weisen allerdings eine große Heterogenität auf, als bei den anderen germanischen Fundgruppen. Vorherrschende Bestattungsform ist das Brandgrab. Anders als bei den benachbarten Elbgermanen finden sich jedoch keine Waffenbeigaben oder gar reich ausgestattete Fürstengräber. [2]

 

Die Germanen lebten überwiegend in Holz-Lehm-Häusern in Einzelgehöften oder Kleinsiedlungen. Als Oberschichtsiedlungen zu identifizierende Oppida konnten bisher nicht festgestellt werden.

 

Diese Einführung  wurde bewußt anhand weniger, einfacher und homogener Vorlagen verfasst, um einen schnellen Überblick zu verschaffen.






 



[1] Dieser Text wurde aus Günther, Sybille: Wilde Stämme, Ökotopia-Verlag Münster 2005, zusammengestellt.

[2]Dieser Text wurde aus dem Artikel in der Wikipedia Rhein-Weser-Germanen (Stand 01.08.2010) zusammengefasst.



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© Joachim Werthmann